Buchempfehlung: Die Pest

Die derzeitige Corona-Epidemie erinnert mich an den Roman ‚Die Pest‘ von Albert Camus. Diesen Roman habe ich in meiner Schulzeit gelesen und auch eine eindrucksvolle Fernseh- bzw. Theateraufführung dazu gesehen. Also habe ich meinen Bücherschrank traktiert und das Buch wirklich gefunden (Ausgabe 1958 !), mich auf die Terrasse gesetzt und gelesen:

 
Camus hat diesen Roman 1947 geschrieben. Er beschreibt sehr eindrücklich, was in den Menschen vorgeht und was aus tieferen ‚Schichten‘ ans Tageslicht kommt, wenn sie mit einem Ausnahmezustand konfrontiert sind, wobei Camus die algerische Stadt Oran mit der Pest in den 1940-er Jahren eher als Chiffre für eben diesen Ausnahmezustand benutzt, als die Schilderung einer tatsächlichen Begebenheit.

Zum Inhalt:

Unter den großen epischen Spiegelungen unserer Zeit steht dieser bedeutendste Roman des Nobelpreisträgers Albert Camus zweifellos mit an erster Stelle. Plötzlich und unvermutet wird die nordafrikanische Stadt Oran von einer geheimnisvollen tödlichen Seuche überfallen, die sich – nachdem es gelang, die ersten Spuren ihres Auftretens zu vertuschen – mit verheerender Gewalt ausbreitet. Fast ein Jahr lang sind die Bewohner Gefangene der Pest, eingeschlossen durch den Sicherheitskordon, den die Behörden um die Stadt ziehen lassen. Anhand der Aufzeichnungen eines Arztes, der mit allen Mitteln der modernen Medizin die unbekannte Macht der Krankheit zu bekämpfen versucht, erfährt der Leser, wie sich das Dasein der Menschen in ihrem verengten und gefährdeten Lebenskreis wandelt: Unter der Drohung der Pest wird das Leben kostbarer und schillernder als zuvor. Der Leichtsinn feiert ebenso seine Orgien wie die Angst; Tapfere und Verzagte, Gläubige und Skeptiker begegnen einander im Bann des gemeinsamen Schicksals, werfen die Konventionen gesellschaftlicher Zurückhaltung ab und zeigen sich so, wie sie sind. Kein Zweifel dabei: Die Pest ist für Albert Camus nur die Chiffre für jenen Ausnahmezustand, in dem die Frage nach dem Wesen des Menschen gestellt werden kann. Denn das dramatische Ringen des Arztes Rieux, des Geistlichen Paneloux und des Skeptikers Tarrou um Sinn und Heilung des gemeinsamen Verhängnisses spiegelt zugleich das Ringen des Autors Camus um ein Menschenbild, das der bedrängten inneren Wirklichkeit unserer Welt entspricht. Und wenn sein großer Roman zum Schluss eine Gewissheit vermittelt, so diese: dass am Ende das Leben siegt und der Mensch, wenn er Mut und Willen, Kraft und Liebe hat.
Am 4. Januar 1960 ist Camus bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Der Autofahrer, sein Verleger und Freund Michel Gallimard, starb einige Tage später ebenfalls im Krankenhaus. Sartre hat Camus nach dessen Tode mit den Sätzen charakterisiert: “Er stellte in unserem Jahrhundert, und zwar gegen die Geschichte, den wahren Erben jener langen Ahnenreihe von Moralisten dar, deren Werke vielleicht das Echteste und Ursprünglichste an der ganzen französischen Literatur sind. Sein eigensinniger Humanismus, in seiner Enge und Reinheit ebenso nüchtern wie sinnlich, stand in einem schmerzlichen Kampf gegen die wuchtigen und gestaltlosen Ereignisse der Gegenwart.”

Viele der hier beschriebenen Verhaltens- und Reaktionsmuster der fast ein Jahr lang eingesperrten Menschen von Oran entdecke ich auch heute in der Corona-zeit. Ich habe das Buch gewinnbringend gelesen und kann es sehr empfehlen.
 
Auch in den öffentlichen Medien wird inzwischen auf dieses interessante Buch hingewiesen. So gibt es an Karfreitag einen Lesemarathon (ca. 10 h), in dem das ganze Buch vorgelesen wird unter:
https://fm4.orf.at/stories/3000956/
 
Liebe Grüße, Werner Peuker

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