Der Stay-at-Home Kreis

19:00, ein Link erscheint auf dem Bildschirm meines Notebooks. Schnell klicke ich darauf.

  • ja, ich möchte an dem meeting per video teilnehmen
  • warum sieht man mich denn nicht? ah, die webcam ist noch überklebt. so, jetzt!
  • ja, ich möchte auch per audio an dem meeting teilnehmen.
  • ich hoffe, dieses mal ist der piepton endlich verschwunden.

Und eine Sekunde später sehe ich ein bekanntes Gesicht auf dem Bildschirm.

  • Hallo, wie geht es dir?
  • Hallo! Joa, passt schon. Ich bin gerade dabei…

In diesem Moment rückt der gerade Sprechende auf dem Bildschirm zur Seite, um einem weiteren Gesicht Platz zu machen.
Das gerade angekommene Gesicht wird begrüßt, und gerade als wieder angefangen wird zu erzählen, wird es auch schon wieder zur Seite geschoben, denn große Lettern, die den Namen eines weiteren Neuankömmlings ergeben, suchen ihren Platz in dem sonst von Videoübertragungen gefüllten Raster auf dem Bildschirm.

  • da hat wohl jemand probleme mit der webcam

Und so geht es weiter, bis schließlich alle ihren Platz am digitalen Tisch gefunden haben.
Nach einigem Hin und Her einigen wir uns auf einen Psalm, den wir lesen wollen. Ausgesucht wurde dieser von einem Zufallszahlengenerator im Internet.

  • Was ich ja besonders ermutigend an diesem Psalm finde ist ja, dass *** P I I I I E E E E P P *** Wie seht ihr das?

Mir zerplatzt schier das Trommelfell und jemand, dessen Webcam wohl gerade die Farbe Grün sehr ansprechend findet – zumindest sehe ich auf grünem Hintergrund schemenhaft eine etwas dunklere grüne Person – fragt zurück:

  • Wie war das?

Nachdem alle beim zweiten Versuch das besonders Ermutigende an dem Psalm auch verstanden haben, sind wir, nach kurzem Austausch über das Gelesene, bei einer Runde Montagsmaler.

So oder so ähnlich läuft der Hauskreis der jungen Erwachsenen in letzter Zeit digital ab, während wir zum Teil hunderte von Kilometern voneinander entfernt sitzen. Man steigt zwar nicht so tief in biblische Themen ein wie unter normalen Umständen und Ton- und Bildprobleme gibt es ab und zu auch. Aber das (meiner Meinung nach) Wichtigste erlebt man unverändert: die Gemeinschaft. Wir halten Kontakt, sehen einander, teilen Gedanken und was uns beschäftigt, verbringen Zeit miteinander. Und genau deshalb freue ich mich jeden Mittwoch aufs Neue, wenn auf meinem Bildschirm ein Link erscheint und ich erstmal den Aufkleber von meiner Webcam entfernen muss.

Davor kommt aber noch der Sonntag. Da treffen wir uns morgens auch per Videochat zum gemeinsamen Gottesdienstschauen. Und haben wir eigentlich wie letzte Woche einen digitalen Spieleabend vereinbart?

Johannes Moser

4 Kommentare zu „Der Stay-at-Home Kreis“

  1. Es gibt eine tolle Anleitung von unserem Zoom Beauftragten Jonas. Zoom ist echt super einfach zu bedienen und hat viele Vorteile. Ich freu mich auf euch alle. Viele Grüsse Saba

  2. Lieber Johannes, über Deinen Bericht habe ich mich sehr gefreut. Klasse, wie Ihr Euch gegenseitig stärkt und ermutigt. Und prima, dass es Euch in unserer Gemeinde gibt!

  3. ku.grob@gmail.com

    Vielen Dank für den Einblick in euren Bleibzu-Hauskreis!
    Wir brauchen mehr davon. Wir sollten auch einen Midlife-Kreis haben.

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