Krisenzeit ist Entdeckungszeit

Die letzten Wochen sind schwierig für jeden von uns, für manche ein bisschen mehr, für manche, wie mich, ein bisschen weniger. Ich habe als alleinstehender Student keine Familie zu versorgen und Kinder zu unterhalten, ich muss mich (bisher) nicht um pflegebedürftige Eltern und Großeltern sorgen, ich muss den Alltag nicht im Home Office oder an der “Krisenfront” im Supermarkt oder im Krankenhaus bewältigen – dafür kann ich dankbar sein. Ich muss lediglich zu Hause bleiben und meinen Teil zum Ganzen beitragen und bislang bin ich gut versorgt, um über die Runden zu kommen.

Und dennoch fühlt sich das ganze nicht gut an, es fühlt sich vielmehr “falsch” an. Die Normalität ist abhanden gekommen. Die Uni ist geschlossen, ich darf deren Räume und Angebote gar nicht mehr oder nur sehr eingeschränkt nutzen. Cafés und Bars, in denen ich mich sonst gerne aufhalte, sind geschlossen oder absolute Tabu-Zone. Meine Nebenjobs im nicht “systemrelevanten” Einzelhandel und in der Schreibe-Branche fallen derzeit leider weg, es gibt also auch keine Arbeit für mich, die ein wenig Abwechslung bringen könnte. Stattdessen decke ich mich zu Hause mit Büchern und digitalen Aufsätzen ein, um dem Ziel meiner Abschlussarbeit ein Stück näher zu kommen. Und das dort wo ich eigentlich am wenigsten gerne arbeite: am heimischen Schreibtisch.

Doch so eintönig, wie die Krisenzeit klingt, ist sie gar nicht. Sie bietet Chancen neues zu entdecken und Sachen auszuprobieren, die man vorher nie gemacht hat. Mit den jungen Erwachsenen machen wir derzeit virtuelle Hauskreise über die Videokonferenz-App “Zoom”. Und wenn uns das zu ernsthaft ist, machen wir einfach einen Spieleabend. Auch das ist kein Problem, nahezu jedes bekannte Brett- oder Kartenspiel lässt sich mittlerweile im Netz als Online-Äquivalent bestreiten. Einen entspannten Barabend habe ich mit zwei Kumpels auch schon realisiert, ein kühles Bier lässt sich ja auch vor der Kamera trinken. Ein Novum, denn so traf man sich bisher eher selten, aber die Krise erfordert ja Improvisation und Kreativität.

Ansonsten gehe ich, #stayathome zum Trotz, viel ins Freie. Eine besondere Freude, angesichts der langen momentanen Schönwetterperiode und ich kann alleine ja ohne Probleme Abstand halten. Neue Joggingstrecken erkunden, die unmittelbare Gegend besser kennenlernen, die Gelegenheit wahrnehmen, sich mal auf seine Intuition zu verlassen und links statt rechts abzubiegen. Dies alles kommt im Moment sehr spannend daher. Beim Wandern lässt sich der Frühling immer noch am besten begrüßen, sei es beim Laufen an der Kalltalsperre in der Eifel am letzten Wochenende (siehe Foto) oder auch beim schnellen Aufstieg am heimischen Königstuhl – das kann Corona uns nicht wegnehmen, sofern wir uns an die Regeln halten. Und so ist das Leben dann doch ganz erträglich, doch ich schaue nicht nur auf mich, sondern vergesse nicht diejenigen, die schwere Zeiten durchmachen: Durch ermunternde Anrufe, aber auch insbesondere im Gebet halte ich Anschluss. Denn Krisenzeit ist Entdeckungszeit, wir entdecken was wir aneinander haben!

Arnd J.

2 Kommentare zu „Krisenzeit ist Entdeckungszeit“

  1. Lieber Arnd, bin neulich auch mal links statt rechts abgebogen und es kam tatsächlich spannend daher… Überhaupt erscheint mir dieser Frühling farbenfroher und schöner als sonst. Einfach, weil alles anders ist.

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