Ein Gruß aus Kiel

Liebe Gemeinde,

seit fast einem dreiviertel Jahr bin ich nun für meinen Freiwilligendienst im CVJM in Kiel und möchte den Blog gerne nutzen, um euch ein bisschen etwas zu erzählen.

Nachdem ich am Anfang sehr motiviert in das Jahr gestartet bin, viele Ideen ausprobieren konnte und viele interessante Begegnungen hatte, habe ich mich in den letzten Monaten immer mehr schwergetan mit der Arbeit. In der Grundschul-Nachmittagsbetreuung, die den größten Teil meiner Aufgaben hier einnimmt, haben wir sehr viele Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen und mit besonderen Bedürfnissen. Diese Kinder zu begleiten und ihnen etwas weiterzugeben ist eigentlich eine spannende Aufgabe, allerdings sind wir im Team (u.a. durch sich häufende Krankheitsfälle, aber auch durch ein knappes Budget) deutlich zu wenige Mitarbeiter, sodass sehr viele Konflikte der Kinder völlig aus dem Ruder laufen. Und obwohl die Zusammenarbeit im Team echt gut klappt, habe vor allem ich mich immer mehr überfordert gefühlt, war ständig erschöpft, kaputt, völlig fertig.

Das CVJM-Haus, in dem ich arbeite und wohne.

Zu meiner Erleichterung habe ich vor kurzem den Mut gefunden, mit den Leuten hier im CVJM darüber zu reden und nach einer Lösung zu suchen.

Mit den aktuellen Begebenheiten ist nun wenigstens erstmal Ruhe eingekehrt, denn die Notbetreuung, die wir nun anbieten, nehmen nur wenige Kinder in Anspruch, und da die sonstigen Angebote und Veranstaltungen nicht mehr stattfinden, haben wir jetzt viel Zeit für Aufräum- und Umbauarbeiten im CVJM-Haus.

Ich bin sehr dankbar, trotz der schmerzhaften Umstände, hier in Kiel schon einiges gelernt haben zu dürfen (z.B. wie es man überlebt wenn man von zuhause ausgezogen ist : ) und nun auch feststellen zu können, dass ich die Arbeit mit Kindern als Beruf für mich ausschließen kann (stattdessen möchte ich im Herbst anfangen, Agrarwissenschaften zu studieren).

Ich bin dankbar für die Zeit bei euch, in der Hoffnungskirche, an die ich mich immer wieder überglücklich erinnere, in der Hoffnung, euch auch in Zukunft, wo auch immer es mich hin verschlägt, verbunden bleiben zu können.

Und ich bin dankbar, immer wieder erleben zu dürfen, wie Gott, oft auch wenn ich es gar nicht erwartet habe, neuen Mut, neue Kraft und neue Freude schenkt.

Herzliche Grüße, bleibt gesund, und hoffentlich bis bald,

Hendrik

Zwar gibt es hier im Norden keinen gescheiten Wald, aber dafür sehr viel Küste für ausgiebige Spaziergänge.

3 Kommentare zu „Ein Gruß aus Kiel“

  1. Hendrik!!! Schön von dir zu hören! Mal ganz nebenbei wohnst du auch in einer wunderschönen Gegend..:)
    Gottes Segen und gute Entscheidungen für deinen weiteren Lebensweg! Und bleib gesund natürlich!

    Liebe Grüße Erika und Ronny

  2. Thomas Raith

    Lieber Hendrik,
    vielen Dank für deinen offenen Bericht. Das erinnert mich an meine Zeit als ich Anfang 20 für ein Jahr in einer christlichen Lebensgemeinschaft war und der Leiter dort immer wieder betont hatte: „Krisenzeiten sind Wachstumszeiten, Du hast eine Krise? Herzlichen Glückwunsch!“. Das merkt man nicht immer wenn man drin steckt, aber im Rückblick kann man vieles besser sehen…

  3. Lieber Hendrik, danke für das schöne Küstenfoto und dass Du uns von Deinen Erfahrungen erzählst. Wir vermissen Dich jedenfalls immer noch hier und ich wünsche Dir, dass Du die letzten Monate im FSJ noch viele gute Erlebnisse machst. Gott mit Dir!

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