Im Juni wird meine Mutti 90…

Zunächst eine dicke digitale Umarmung an Euch alle, und irgendwann dicke echte Umarmungen…

Und wie es mir so geht… mmmm… Auf dem Foto seht Ihr unsere Küchentür. Wir haben als Familie schon länger diese schöne Jahresabschluss-Sammelliste; wir tragen ein, was in dem zu Ende gehenden Jahr besonders war, die guten und die nicht so guten Dinge schreiben wir auf. Und auf einer Liste daneben schreiben wir die Hoffnungen, Vermutungen, und Träume für das neue Jahr, das vor uns liegt. Und 12 Monate später schauen wir zurück. Das ist oft sehr lustig, und mit viel Staunen über all die guten Dinge, die uns passiert sind und geschenkt wurden, verbunden. 

Auf diesem Foto hier seht Ihr den Text für den 1. Januar 2020 in der Herrnhuter Losung. Ich habe am 1. Januar diese Bibelstellen als ein tolles Geschenk für mein 2020 gesehen. Ihr seht auf dem Foto, dass ich mir da einiges unterstrichen habe; ich habe  mich über diese Worte am 1. Januar als Ausblick für 2020 wirklich sehr gefreut: „… dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung. Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen… Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit!“ Am 1. Januar habe ich das als mein „Geh los, Heike, 2020 wird spannend, anders, es gibt neue Wege! YippieJ“ gesehen. 

Und jetzt finde ich es oft schwer, dieses momentane 2020 als das „neue Wege“ Jahr zu sehen. Puuuuhhh… Echt? Das soll es nun sein? Was macht mir Angst oder Sorgen im Moment? Hier eine kurze Liste: 

  • Meine Mutti wird im Juni 90 Jahre alt. Sie lebt in Berlin im Pflegeheim und darf nicht besucht werden. Ob meine Mutti das bis zum Juni schafft? Ich würde sie so gerne noch einmal sehen und auch richtig umarmen, aber das geht ja nicht. Ob ich das jemals nochmal kann?
  • Mein Ältester, Markus, und seine Freundin, Hélène, wohnen bei mir, Coronavirus-gestrandet. Hélène ist Französin und kommt aus Straßburg; eine ihrer Tanten ist Krankenschwester in Paris. Die Nachrichten von ihrer Familie sind nicht gut; auch Arbeitslosigkeit ist dort schon eingezogen. Und ich bin tief betroffen von den täglichen Bildern und Nachrichten aus Straßburg und dem Elsass. Und genauso bin ich auch tief betroffen von den Bildern und Nachrichten aus Spanien und Italien.
  • Mein Jüngster, Jonathan, ist im Moment in Australien. Geplant war, dass er im August zurückkommt. Sollte er jetzt gleich zurückkommen? Oder lieber bis zum August dort ausharren? Aber gibt es eigentlich noch Flugzeuge im August? 
  • Letzte Woche haben wir noch mit vielen, ganz wunderbaren Menschen in Kalifornien, wo wir ein Jahr in der Bay Area gewohnt haben, telefoniert und uns gegenseitig Mut gemacht. Wir haben auch ganz viel Verwandtschaft in Florida. Die Nachrichten aus den USA werden ja immer schlimmer. (Kleiner Einschub: nein, ich mache Trump dafür nicht verantwortlich). Ob die das schaffen, gesundheitlich und finanziell? In diesem reichen Land gab es schon vorher solche Armut; was da jetzt passieren wird? 
  • Und was kommt auf uns selbst und viele andere zu, in den nächsten Wochen, sowohl gesundheitlich als auch finanziell? 

Ich lese die Losung für den 1. Januar jetzt anders, aber sie ist mir ein täglicher, ganz starker Zuspruch. Ich merke, dass diese Gedanken mich tragen, täglich, in meinen Fragen und in meinem „die-Welt-nicht-mehr-zu-Verstehen“ und ich mit einem ganz tiefen Gottvertrauen beschenkt werde: „…dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung. Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn  die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen… Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit!“ 

Seid herzlich gedrückt,

Heike (Raphael-Hernandez)

6 Kommentare zu „Im Juni wird meine Mutti 90…“

  1. Liebe Heike, wie beten auch für dich und die komplizierte Situation mit vielen deiner Familienmitglieder. Wir sind gedanklich bei dir, auch wenn wir uns eine Weile nicht mehr sehen. Ian & Kathleen

    1. Liebe Kathleen und lieber Ian,
      Euch beiden ein ganz herzliches Danke für dieses Zeichen der Verbundenheit und für Eure Gebete.
      Seid ganz herzlich gedrückt,
      Heike

  2. Liebe Heike,
    danke, dass du all das hier mit uns teilst und uns mit hineinnimmst in deine Gedanken und Sorgen.
    Und deiner Küchentür mit der wunderbaren Idee der Jahresabschluss-Sammelliste wäre ich sonst wohl nicht in Kürze begegnet.
    Liebe Grüße
    Maike

    1. Danke, liebe Maike.
      Als ein Nachtrag zu meinem Blog: gestern Abend habe ich mit meinem Bruder Friedhelm und seiner Frau Lia in Berlin telefoniert. Manche aus der Gemeinde kennen die beiden, da sie am Heiligabend 2017 mit all unseren internationalen Geschwistern bei mir zu Hause dabei waren. Lia eröffnet den Coronavirus Reigen in unserer Familie; sie ist positiv getestet und es geht ihr gar nicht gut. Wenn ihr sie kennt, nehmt sie mit in Euer tägliches Gebet. Ein herzliches Danke, Heike

      1. Liebe Heike, das ist ja überhaupt keine gute Nachricht und tut mir so leid für Lia und auch für Friedhelm. Und deine Mutti kann nicht besucht werden. Das ist sooo traurig! Die Worte vom 1.Januar geben viel Hoffnung, aber es ist hart. Ich denke an euch! Sei lieb gedrückt, Chris

        1. Dank Dir, liebe Chris! Ich werde die beiden von Dir grüßen. Und Dir und Deinen Lieben die allerherzlichsten Grüße der Verbundenheit zurück. Ich denke an Euch, besonders an Jitka.

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