Die Krisen von heute sind die Bausteine von morgen

„Die Krisen von heute sind die Bausteine von morgen“

Diesen Satz habe ich mir vor paar Jahren formuliert. Und das stimmt wirklich. Nach jeder Krise – egal welcher Art – sammeln wir Werkzeuge in unserem Überlebenskoffer, die wir bei der nächsten Krise effektiv einsetzen können.

So möchte ich jetzt meinen Überlebenskoffer aufmachen, auspacken, und gucken, was Brauchbares ich darin finde.

Werkzeug 1 Es führt ein Weg am anderen Ende des Berges weiter. Im Moment der Krise haben wir das Gefühl – so wie bei Schmerzen -, es bleibt immer so, es wird nie enden. Die Krisenzeiten sind aber trotz unserer Gefühlslage begrenzte Zeiten, selbst wenn wir das Ende nicht genau prophezeien können, wird es einmal enden.

Werkzeug 2 Als ich Chemo bekommen habe, ging es mir eine Woche lang sehr schlecht, da konnte ich nicht mal aus dem Bett steigen. In der zweiten Woche ging es einigermaßen, aber in der dritten Woche ging es mir richtig gut. Da bin ich voller Elan in die Gegenwart gestürzt, und habe jeden schönen Moment so intensiv genossen wie noch nie davor. Das tue ich jetzt jeden Tag, bis wir keine Ausgangssperre haben.

Werkzeug 3. Das Wort ‚Krise‘ bedeutet ursprünglich nicht was Schlimmes, wie ich früher gedacht habe, sondern im Griechischen heißt es ‚Entscheidung‘. Ich kann mich in jeder Krise entscheiden, ich bin ihr nicht ausgeliefert – selbst wenn ich mich oft total machtlos fühle –  die Entscheidung liegt bei mir, in meiner Hand. Was mach ich daraus? Ist es eine Tragödie oder eher eine Chance?

Werkzeug 4. Lazarus war krank. Die Schwestern haben nach Jesus gerufen, ER ist aber nicht gekommen. In den Krisenzeiten erleben wir oft, dass Gott schweigt, ER tut nichts, als hätte ER uns komplett vergessen, oder als würde IHN unsere Situation absolut kalt lassen. Jesus wusste aber alles von seinen Freunden. Er hat zwar nicht geantwortet, ist nicht gekommen, als sie das wollten, ER war aber die ganze Zeit bei Ihnen. Und zu seiner Zeit hat er ein Wunder getan, das sich niemand hätte vorstellen können. Gott hat uns in dieser Zeit nicht verlassen, selbst wenn wir machmal das Gefühl haben, ER schweigt, ER tut nichts. Er ist aber gerade in den schwierigen Zeiten bei uns, und seine Liebe zu uns kann durch nichts zerstört werden.

Werkzeug 5. Das Selbstverständliche ist nicht selbstverständlich. „Die Krisen sind Geschmacksverstärker des Glücks.“ Wir sind nicht unbedingt dann glücklich, wenn wir alles haben, was wir uns gewünscht haben. Krisenzeiten schenken uns etwas ganz Wertvolles. Das kostbarste Glücksgefühl. Was wir in Friedenszeiten durch Lesen von Hunderten Ratgebern, durch teuersten Urlaub oder Wellnesswochenenden hart „erarbeiten“ müssen, kriegen wir in Krisen umsonst, quasi geschenkt. Ich habe diesen Frühling so wahrgenommen und genossen, als wäre ich jetzt zum ersten Mal im Leben dem Frühling begegnet. Ich bin dankbar für jeden Tag, den wir – meine lieben Mitmenschen – gesund verbringen können. Ich bin dankbar für jedes Häppchen Essen, bin dankbar für den Sport an der frischen Luft, bin dankbar für jeden blühenden Magnolien- und Kirschbaum. Bin dankbar für die intensive Zeit, die ich mit meinem Sohn verbringen kann.

Ich bin Gott dankbar für diese Zeit. Ich bin fest davon überzeugt, dass ER es aus Liebe zu uns, als letzte Chance gegeben hat, dass wir umkehren, dass wir endlich zwischen Wichtig und Unwichtig unterscheiden können, dass wir alle – jeder Mensch auf der Erde – auf Ihn schauen, und IHN verherrlichen, weil ER alleine würdig ist.

Die Krisen sind sehr gute Lehrer. Die Frage, ob wir beim Unterricht zuhören, und unsere Hausaufgaben machen. Die Entscheidung (=die Krise) liegt bei uns. Was machen wir daraus? Es wäre schön, auch von Euren Werkzeugen lesen zu können.

Monika D.